Konzertreisen

Wie schnell zieht doch ein Jahr vorbei,

eh man´s gedacht, ist wieder Mai.

Da will der Volkschor - wie seit Jahren -

zu Pfingsten in ein Ausland fahren.

Und weil's dort noch sehr billig sei,

fährt wieder man in die Tschechei.

Gemächlich ging es durch die Nacht,

doch wer an's Schlafen hat gedacht,

der wurde wieder ausgeladen;

denn der Bus hat Kupplungsschaden.

Zum Glück kostet das nicht viel Zeit,

ein andrer Bus stand schon bereit.

Und dann, so um die 10. Stunde,

sah'n wir im schönsten Talesgrunde

das lang ersehnte Reiseziel.

Während Karlsbad's berühmte Bauten

noch müde aus den Fenstern schauten

und wir verließen unsern Bus,

schritt Jutta zum "Jesenius"


Die Zeit verging, sie kam nicht wieder.

Was war zu tun? Sang man jetzt Lieder?

Ließ man vom Regen sich benetzen?

Soll't man sich irgendwo noch setzen?

Sollt man ein Kümmerlingchen trinken?

Nochmal in Morpheus Arme sinken?

Dann - nach 'ner guten halben Stunde

erklang es wie aus einem Munde:

"Sie kommt!" Doch was macht ihr Gesicht?

Es strahlt ja so wie sonst gar nicht?

Erschöpft auf eine Bank sie sinkt:

"Das Reisebüro hat uns gelinkt."

Nichts ist's mit einem sich´ren Hafen,

in diesem Haus darf man nicht schlafen.

Genächtigt wird im Bettenhaus!

Da rastet selbst die Jutta aus.

Die Sache ist uns gar nicht lieb,

hier geht es nämlich ums Prinzipl!

Die Leitung ihres Amtes waltet,

die Polizei wird eingeschaltet.

Frau Kiefer gleich vor Ort zitiert,

doch dann läuft alles wie geschmiert.

Wär Jutta nicht so viel gerennt,

wo hätten wir bloß gepennt?

Ein Gutes hat alles gehabt.

Wir haben uns gelabt

an Kaffee und leckeren Kuchen.

So sollt´ man's unter Plus verbuchen.

Und wenn es auch geregnet hat,

im lieblichen Marienbad,

wir ließen es uns nicht verdrießen.

Ein richt'ger Sänger kann genießen.


Dort in den Kolonadenhallen

ließ unser Chor sein Lied erschallen.

Leider zeigt es sich immer wieder  

ein böser Mensch will keine Lieder.

Frech mischt er sich unter die Sänger,

da werden seine Finger länger.

Schnell Resis Geldbörse stibitzt

und dann klammheimlich abgeflitzt.

Das war für Resi eine Bürde,

ertrug's jedoch mit großer Würde.


Dann war Chorprobe angesetzt.

Was sind wir herumgehetzt!

Erst Pavillon, dann Kolonaden,

so langsam schmerzten schon die Waden.

Geht mehr nach links, da klingt es schön!

Nein, rechts kann man euch gut verstehn!

Macht bitte noch mal ein paar Schritte

und geht genau bis in die Mitte!

Hier auch nicht, noch einmal zurück!

Ein Durcheinander, doch auch Glück;

denn viele Leute blieben stehn,

um sich das Ganze anzusehn.

Auf diese Art wurde verkündet,

wo man uns dann am Sonntag findet.

Der Frau Tenor und Inge Franck

an dieser Stelle unsern Dank.

Denn durch ihr kluges Management

in Karlsbad uns nun jeder kennt.

Und in den späten Abendstunden

hat man zum Tanz sich eingefunden.

Die Blasmusik haut in die Röhren,

das konnte uns jedoch nicht stören.

Nur - so nach 2, 3 Stunden

hat man's Gehör nicht mehr gefunden.

Doch wenn auch nachts die Ohren dröhnten

die Polkas uns den Schlaf verschönten,

hat's auch mal wie Cis - moll geklungen,

der Abend war denoch gelungen.

Der Sonntag kam - bei Sonnenschein

stieg alles in die Busse ein,

um dann den Keilberg zu ersteigen;

doch sollt man ihn der Welt nur zeigen,

wenn die Gebäude restauriert,

der Zustand hat doch recht frustriert.

Nachmittags wurd's dann wunderbar.

'Ne frohgelaunte Sängerschar,

gut aufgereiht, parat die Noten,

ein hübsch gestyltes Bild wir boten.

Jetzt konnt´ "Lob der Musik" erklingen,

doch wurd´  noch nichts aus unserm Singen.

Kam doch mit grauenhaften Tösen

die Polizei, auf Jagd nach Bösen.

Erneut zum Singen angesetzt

- Fluglärm des Himmels Blau zerfetzt.

Das Publikum ist amüsiert.

Ob jetzt nochmal etwas passiert?

Hier muß man uns're Lila loben.

Noch einmal Arme aufgehoben,

strahlendes Lächeln im Gesicht,

verliert sie ihre Ruhe nicht.

Da kann man gar nicht suer utsehn,

dazu ist Karlsbad viel zu schön

Manch Lied zog da ins Herz uns ein,

und es lag veritas im Wein.

Sogar die Schubertschen Forellen

sah man dort durch die Tepla schnellen.

Da kauft so manches Bäuerlein

am Markt Spinnrad und Jäckchen ein.

Manch kecker Bursche will gar wissen,

wie Tschechiens Mädchen denn so küssen.

Sie schleichen sich des Nachts behende

zur Maid, trotz spindel dürrer Wände,

und sind ganz wild die ganze Nacht,

dass Schwiegervater nicht erwacht.

Und zahlreich zog auf sonn'gen Wegen

das Publikum dem Chor entgegen.

"Greenlews" in alle Herzen drang

als Claudia so lieblich sang.


Und hatten wir auch nur 6 Männer,

es gab viel Beifall - auch vom Kenner.

Ein Tourist - selber ein Tenor -

und Sänger in 'nem Kirchenchor,

fand unseren Gesang sehr schön

und meinte - ich sehr gut verstehn,

verstehen auch die Tschenlieder

und kommen bitte einmal wieder!

Doch in einem gemischten Chor

zählt jeder Baß, jeder Tenor.

Wir hoffen für das nächste Jahr

auf eine größ're Männerschar.

Und ihr sechs Männer - laßt euch sagen,

ihr habt euch bravourös geschlagen.

Auch uns're Jutta, enthustiastisch,

fand unsre Männer ganz phantastisch,

spendierte abends einen Drink,

der wie Öl durch die Kehlen ging.

Anschließend wurde sie geehrt,

weil schöne Tage sie beschert.

Da nun die Kehlen gut getrimmt,

wurd' uns're Hymne angestimmt,

bei jedem Fest - ob groß, ob klein -

"in vino veritas" muss sein.

Und damit sind wir bei der "Raut".

Ist uns das Wort auch nicht vertraut,

so haben abends wir entdeckt,

was alles denn dahinter steckt.

Das Posthaus, strahlend hell, voll Glanz,

empfing uns dort zu Speis und Tanz.

Und es ist wirklich nicht gelogen,

dass sich dort fast die Tische bogen.

Jeglicher Vorsatz war vergessen,

zur Nacht nicht mehr so zu essen.

Ein jeder stopfte in sich rein,

als wird's der letzte Bissen sein.


Zum Glück war die Zweimann - Kapelle

sehr pünktlich dann an Ort und Stelle.

Jetzt hielt uns nichts mehr auf den Sitzen,

es galt das Essen abzuschwitzen.

Platz musste her - ganz ohne Frage -

für's nächste grosse Fressgelage.

Hätt man sich nicht so abgehatzt,

es wäre mancher wohl geplatzt.

Zuletzt nahm man von dem Bufett

noch rasch ein Würstchen mit ins Bett.

Zuhause dann die bange Frage:

Stimmt's - oder irrt sich meine Waage?

Doch dann - wie's immer kommen muss,

einmal hat alles seinen Schluss.

Lebt wohl - ihr wohlbekannten Gassen!

Karlsbad nun müssen wir dich lassen.

Zum Glück ist Pfingsten jedes Jahr,

und uns're munt're Sängerschar

wird wieder dann auf Reisen gehn

und wieder wird es wunderschön.

Und gibt es auch mal Schwierigkeiten,

uns Jutta wird uns sicher leiten

und Lilo wird's wieder gelingen,

dass alle wir mit Freude singen.


Charlotte Diederichs


Konzertreise 1999 nach Karlovy Vary/Tschechien